Bericht zur Projektebetreuung 2015

Der diesjährige Aufenthalt zur Projektebetreuung fand statt vom 14. August bis 10. September und wurde vom Vorstandsmitglied Hannelore Pichlbauer durchgeführt – während des Ladakh-Aufenthaltes unterstützt durch Werner Pichlbauer, Pate und Projektbetreuer 'Neubau KUNFAN-School'.

JOYBELLS-School

Erste Station der Reise war die JOYBELLS-School in Dehradun. In 2014 konnte in Anbetracht der außergewöhnlichen Umstände durch den Tod des Vorstandsvorsitzenden Dr. Leonhard Braun der Besuch der Schule nicht durchgeführt werden. Durch Anwesenheit des Verwaltungsleiters der Schule, Col. S.S. Singh anlässlich der Trauerfeierlichkeiten konnten Projektbesprechungen dennoch intensiv wahrgenommen werden auch im vergangenen Jahr.

Ungleich eindrucksvoller ist natürlich die Anwesenheit vor Ort, wo der Kontakt mit den Kindern und das Wahrnehmen ihrer Entwicklung das Klären und Treffen sachbezogener Entscheidungen ergänzt. Die zweijährige Besuchsspanne machte besonders deutlich, in wie viel mehr Selbstständigkeit und Verantwortung die Kinder hineingewachsen sind im Lernen und in der Selbstorganisation ihres (zweiten) zu Hauses.

Die Oberstufen-Ausbildung der ersten Kinder ab Klasse 8, für die die JOYBELLS-School keine staatliche Zulassung hat, stellte die Schulleitung vor kaum lösbare organisatorische und finanzielle Herausforderungen. Dank großzügiger Unterstützung durch unsere Sponsoren konnten wir helfen, ein alternatives Pilotprojekt in Kooperation mit einem amerikanischen College ‚auf den Weg’ zu bringen, das den Kindern über ein ‚digitales Klassenzimmer’ einen international anerkannten, amerikanischen Hochschulabschluss anbietet. Auch für das amerikanische Oak-Meadows College, das sowohl klassische Schule, als auch digitales Schulsystem unterhält, ist dies ein Pilotprojekt außerhalb der USA, was mit viel Enthusiasmus und finanzieller Großzügigkeit gegenüber der JOYBELLS-School verbunden ist.

Die Errichtung eines ‚Internet-Access-Tower’ als technische Voraussetzung für den störungsfreien täglichen Unterricht, als auch ein Teil der individuellen Lernplatz- Ausstattung, konnten mit Hilfe unserer Unterstützer zu Verfügung gestellt werden.

Das außerordentliche Engagement und Interesse am Lernerfolg seitens des Trägers des digitalen Unterrichtes zeigte sich während meines Besuches auch in der Anwesenheit zweier Fachbereichsleiter und Lehrer der amerikanischen Schule, die mit 12 Oberstufenschülern für 4 Wochen in der JOYBELLS-School weilten und in ihren Ferien den Kindern hier intensiv Nachhilfe und Vertiefung für anstehende Tests gaben.

Wobei mit Stolz auch vermeldet wurde, dass die 8-Klässler in Mathematik den Lehrstoff der (amerikanischen) Neunt- und Zehntklässler trainierten, da hier ihr Wissensstand der fortgeschrittenere war. Die Art und Weise, wie die Joybells-Kinder neben intensivem schulischen Lernen Sorge tragen für ihre eigenen Belange, bei Obst und Gemüseanbau und -Verarbeitung, Tierhaltung und Gästebetreuung, blieb umgekehrt nicht ohne Eindruck auf die amerikanischen Jugendlichen. Wo die ‚Mitschüler’ in ihrer ‚Freizeit’ für Sauberkeit und Komfort der Gästezimmer, Küche, Aufenthaltsbereiche und Sanitäranlagen verantwortlich sind, da war das hinlänglich bekannte ‚jugendliche Chaos’ in diesen Lebensräumen (als Arbeits-Aufgabe an die gastgebenden Kinder) schnell und zunehmend auch den jungendlichen Gästen unvertretbar. Ein reiches, wechselseitiges Geben und Nehmen fasste der jüngste, 16-jährige Gast in einem der bewegenden Statements der Kinder untereinander bei Verabschiedung kurz und treffend so zusammen: „we brought you knowledge, you gave us so much more“.

Beim Blick von der Schule über die kleine Schlucht auf das Farmgelände fielen unübersehbar die finanziell unterstützten, fast fertiggestellten, neuen Stallungen für die geplante Erweiterung des Kuhbestandes ins Auge. Neben einem vergrößerten ‚Nachtstall’ ist dies vor allem ein überdachtes Freigelände, das den Kühen Sonnen- und Monsunregen-geschützten Auslauf und Futterplatz gibt. Dies ist der Gesundheit der Tiere spürbar zuträglich.

Um auch in Ausfallzeiten einzelner Kühe mit einer konstanten Milchproduktion Einkommen zur Projektunterhaltung erzielen zu können, soll der Bestand von derzeit 7 Kühen auf 10 -12 erweitert werden. Dies wird durch zusätzlich anfallenden Dung und Gülle auch die Produktivität der hervorragend funktionierenden Biogas-Anlage zum Betreiben der Schulküche für das Essen der Kinder und der Mitarbeiter erhöhen. Neben den Kühen gibt es vor allem für den Eigenbedarf Hühner, Ziegen, Enten, Wachhunde und - lautstark und unerschrocken aggressiv - zwei Wächter-Gänse, die keinen Pardon kennen für Fremde mit oder ohne Kamera. Erst beim begleiteten dritten Anlauf gelang es mir, auch zur auf der Farmseite fertiggestellten Schulküche vorzudringen, in unmittelbarer Nachbarschaft der Biogas-Anlage.

Mit Freude und gutem Gefühl können wir in dieser Heimschule ein um’s andere Mal feststellen, dass in guter Kosten- Nutzen- Kalkulation die geförderten Einzelprojekte zügig und qualitativ solide umgesetzt werden.

Die Leiterin Althea Joy Singh zeigte mir u.a. auch einen neuen, günstig erstandenen zahnärztlichen Behandlungsstuhl und bat darum, die Joybells-School wieder mit in die jährlichen Einsätze des DENTAL-HEALTHProject des Vereins aufzunehmen. Neben den Kindern der eigenen Schule möchte man die Kinder zweier in unmittelbarer Nähe befindlicher Grundschulen mit in das Vorsorge und Behandlungsprogramm aufnehmen. Kundgetan wurde auch das Interesse an muttersprachlichem Deutsch-Unterricht per Skype mit den Kindern, mit einer Frequenz von ein- oder zweimal wöchentlich 1 - 1 ½ Stunden. Lehr-Interessenten sind herzlich zur Kontaktaufnahme mit uns eingeladen.

Obwohl Dehradun nördlich von Delhi (in Richtung Ladakh) gelegen ist, ist für die Weiterreise nach Ladakh die fast siebenstündige Rückfahrt mit dem Zug zunähst nach Delhi unumgänglich. Die Unsicherheit hinsichtlich einer störungsfreien Zugfahrt, besonders in der Monsunzeit, erfordert zudem die Einplanung eine Puffertages um den Weiterflug nach Ladakh nicht zu verpassen.

Weiterreise nach Ladakh

Zur Weiterreise nach Ladakh reiste auch der Pate und Projektbetreuer für den ‚Neubau KUNFANSchool’, Werner Pichlbauer an. Dadurch konnte die gesamte folgende Projektebetreuung zu zweit bewältigt werden, was in vielen Fällen äußerst hilfreich und zeitsparend ist. In Ladakh angekommen fielen im Flughafengebäude zunächst die eindringlichen verbalen und optischen Warnungen und Empfehlungen hinsichtlich Vermeidung der Höhenkrankheit auf. Entsprechend war der erste Tag in Leh im Haus unserer bekannten Gastgeber und Projektpartner, Mr. Tsewang Norboo und seiner Frau Dolma von Vermeidung jeglicher körperlichen Anstrengung geprägt. Die an diesem Tag mit weiteren Projektpartnern festgelegte Terminplanung zum weiteren Ablauf der Projektebetreuung machte schnell klar, dass dies vermutlich der einzige Tag dieser Art bleiben würde.

LADAKH-NUNS-ASSOCIATION

Bei Besuch der LADAKH-NUNS-ASSOCIATION und intensiver Diskussion mit deren Leiterin, der Ärztin und Nonne Dr. Tsering Palmo, tauschten wir viele Blickpunkte auf „Gott und die Welt’, und ganz besonders die gesellschaftliche Änderung der Situation der Nonnen in Ladakh aus. Anders als die Mönche, hatten die buddhistischen Nonnen in Ladakh früher keine klösterlichen Lebensgemeinschaften mit entsprechender spiritueller und weltlicher Bildung. Um ihre individuelle Entscheidung und ihren Lebensunterhalt tragen zu können, waren sie zu jeder Art niedrigster, schlecht honorierter Dienstleistung in Familie, Haus und Feld oder in den Mönchsklöstern verpflichtet. Durch Unterstützung für eigene Lebensgemeinschaften, sekuläre, spirituelle sowie traditionelle medizinische Bildung hat die LADAKH-NUNS ASSOCIATION Beeindruckendes geleistet in den vergangenen 20 Jahren zur Verbesserung der Lebenssituation der ladakhischen Nonnen und deren gesellschaftlicher 4/12 Anerkennung. Wie überall, wo Privilegien zu Lasten anderer Menschen ins Wanken gebracht werden, ging dies auch hier nicht ohne gesellschaftliche Spannungen und Auseinandersetzungen. Dr. Tsering Palmo konnte jüngst erste Funktionsbereiche der LNA in die Führung durch hervorragend ausgebildete junge Nonnen übergeben. Dies erlaubte ihre selbst, erstmals einen vierjährigen, medizinischen Ausbildungslehrgang in traditioneller tibetischer Medizin zu erarbeiten und anzubieten. Solcherart ausgebildete Nonnen sollten künftig auch in ihren abgelegenen Heimatregionen medizinische und soziale Versorgung ermöglichen und damit zunehmend die Anerkennung und wichtige Funktion der Nonnen in der ladakhischen Gesellschaft stärken. Die Ausbildungskosten sollen künftig zum Teil durch die eigens betriebene, ärztliche Praxis und zusätzlich durch Patenschaften für die Schülerinnen finanziert werden.

KUNFAN-School

Am Folgetag stand der Besuch der unterstützten KUNFAN-School in Skalzangling/Leh auf dem Programm. Organisatoren, Lehrer, Schüler und auch die Unterstützer dieser kleinen, ärmlichen Schule in gemietetem Gebäude am Standrand von Leh, warten nun schon mehr als zwei Jahre auf die Möglichkeit, mit dem geplanten und begonnenen Neubau der Schule fortzufahren. Wir berichteten darüber, dass ein individuell erhobener Eigentumsanspruch an einem Teil des durch die Behörden den Schulorganisatoren zur Verfügung gestellten Grundstücks den Bau ins Stocken brachte. Zwei ladakhische Gerichtsinstanzen entschieden mittlerweile zu Gunsten der Schule, das Urteil über einen letzten Einspruch vor einem höheren Gericht des Bundesstaates Jammu-Kashmir steht aus - mit wenig Möglichkeiten, dieses zu beschleunigen. Dennoch wird ein Mitglied des Organisationskomitees in Kürze erneut in die Bundeshauptstadt Srinagar reisen, um die Dringlichkeit (ein drittes Mal) darzulegen.

Der Schulbetrieb geht derweil mit guten Jahrgangs- Abschlussergebnissen im alten Gebäude weiter, dessen Zustand wenig einladend ist für Neu-Zugänge aus bessergestellten Familien des Viertels. Die Schülerzahl stagniert deshalb bei ca. 35 Kindern. Die Kinder präsentierten den Besuchern Gesang und traditionelle Tänze, hiernach wurde gemeinsam mit den Kindern das Mittagessen eingenommen. Seit kurzem unterstützt der Verein das in Aufbau befindliche ‚Lunch- Programme’ an dieser Schule. Gravierende Unterschiede in der Ernährung zwischen wenigen, die ausreichend Essen für den langen Schultag von 10-16 Uhr mitbringen und denen, die wenig oder gar kein Essen mitbringen, soll damit behoben werden. Fraglos ist ein leerer Magen auch keine gute Voraussetzung für konzentriertes Lernen. Für die bessere Ausstattung der Schulküche wurde ebenfalls eine Spende zur Verfügung gestellt. Wie im gesamten Stadtviertel, ist die Energieversorgung der Schule äußerst unzuverlässig. Lehrer und die Schulleiterin baten um Unterstützung für einen kleinen Generator, mit dem Unterrichtsstörungen oder Abbrüche sich beheben lassen.

LAMDON-School

Der Besuch der LAMDON-School in Leh stand für den 4. Tag unseres Aufenthaltes auf dem Programm. 24 Schüler werden hier mit Patenschaften unterstützt. Die LAMDON-School in Leh bietet Schülern der unterstützten Bergdorfschulen nach Abschluss der 8. Klasse den weiteren Schulbesuch von Klasse 9 - 12 an, so dass nicht selten (und erfreulicherweise) die bisherige Unterstützung durch einen Paten hier fortgeführt wird. Die LAMDON-School ist mit derzeit über 2000 Schülern die älteste und größte, durch Elterninitiative gegründete Schule in Ladakh mit hohem Ausbildungsniveau.

Der Schulleiter Eshey Tundup führte uns über das Schulgelände zu den neuen, zusätzlichen Schultoiletten, deren Bau durch KINDER des HIMALAYA e.V. unterstützt wurde und sprach seinen herzlichen Dank an die Spender aus für Unterstützungsbereitschaft zu Gunsten eines so wichtigen, wie auch wenig attraktiven Projektes.

Mit Freude zeigte er uns auch die Anpflanzung von ein paar hundert Laub- und Obstbäumen, die durch Unterstützung des Dalai Lama zur Begrünung des Schulgeländes ermöglicht wurde. Im Anschluss hieran fand ein kurzes Treffen mit allen durch eine Patenschaft unterstützten Kindern statt, bei dem aktuelle Probleme in Familie oder Schule, oder in der Abwicklung der Patenschaft besprochen und teilweise schon vor Ort geklärt werden konnten. Auch für diese Unterstützung bat der Schulleiter, dem die Aufnahme von Kindern mittelloser oder armer Familien in seiner Schule besonders am Herzen liegt, den Paten seinen ganz aufrichtigen und herzlichen Dank auszusprechen. Er äußerte die Bitte, bei der Unterstützung solcher Kinder, die mit besonderer Begabung nach Abschluss an seiner Schule ein Studium aufnehmen möchten, auch weiterhin zu helfen.

DENTALHEALTH- Project

In der Region SAKTI, einige hundert Meter höher gelegen als die Hauptstadt Leh mit 3.500 m und ca. 2 Fahrtstunden entfernt, unterstützt der Verein mehrere Selbsthilfe-Projekte besonders für Frauen. Hierhin führte uns unser nächster Besuch. Auf dem Weg besuchten wir jedoch zuerst die MANJUSHRI-SCHOOL, an der im Rahmen des DENTALHEALTH- Project des Vereins gerade das Zahnärzte-Team Dr. de Taillez einen Behandlungseinsatz für die ca. 220 Kinder durchführte. Der Aufbau der in Eltern- und Dorfinitiative geführten ‚Privat’-Schule wurde finanziell ebenfalls durch deutsche Förderer unterstützt, ohne Beteiligung von KINDER des HIMALAYA e.V.

Nach Rundgang durch die Schule mit dem Schulleiter fand eine Besprechung statt mit dem zahnärztlichen Einsatzteam von Dr. Birgit de Taillez, die zum 3. Mal die zahnärztliche Vorsorge und Versorgung an der Schule wahrnahm. Besonderheiten des Einsatzes und künftige Notwendigkeiten, insbesondere auch die Schulung zahnärztlicher Assistent(Inn)en zu Versorgung und Vorsorge in der Zeit der Abwesenheit von zahnärztlichen Teams, wurde besprochen und zur Diskussion mit den Leitern unseres DENTAL- 'HEALTH-Project' mit 'ins Gepäck' genommen.

Woolwork-Selbsthilfegruppe

Die „Woolwork-Selbsthilfegruppe“ von Frauen, deren Ziel die Fertigung von Wolle- Produkten ist ‚vom Schaf’ bis zur Fabrikation traditioneller und zeitgemäßer Kleidung, hat im vergangenen, langen ladakischen Winter (Oktober bis April/Mai) ihre Webtechnik und Stoffbearbeitung verfeinert und mit der Ausbildung im Färben der gewebten Stoffe begonnen. Dies soll im kommenden Winter mit Training im Färben mit natürlich gewinnbaren Farben fortgesetzt werden. Der Verein unterstützt dieses Projekt mit Übernahme von Kosten für Material und Geräte, Raum- und Heizkosten, sowie Bezahlung der entsprechenden Lehrer oder Trainer.

Alphabetisierungs-Selbsthilfegruppen für Frauen

In dem sich weit in verschiedene Täler erstreckenden Dorf Sakti gibt es zudem zwei Alphabetisierungs-Selbsthilfegruppen für Frauen mit jeweils 15 - 17 Teilnehmerinnen. Beide Gruppen besuchten wir und mit Stolz zeigten uns die Frauen die Schulhefte zu dem im vergangenen Winter Gelernten. Dies umfasst Schrift und Lesen englischer Texte, schreiben und lesen von ladakhischen Texten in der lokalen ‚Bodhyik-Schreibweise, schreiben und lesen von Zahlen mit Training in den Grundrechenarten. Mit Stolz trugen uns die Frauen lesend gesprochene und gesungene, buddhistische Rezitationen vor und bemerkten mit einem Augenzwinkern, dass ihnen die Männer nun nicht mehr ‚irgendwas’ erzählen könnten. Ganz unverkennbar stärkt dieses Training Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit der Frauen. Es befähigt sie zudem, in den ersten Jahren die Bildung ihrer Kinder begleitend und/oder helfend mitverfolgen zu können und nicht schon hinter dem Wissen von Erstklässlern zurück zu stehen.

Eine dritte Gruppe von Frauen hatte ihr vehementes Interesse an einem ebensolchen Alphabetisierungskurs bekundet und um ein Treffen noch bei unserem Besuch in der Region gebeten. Nach und nach kamen zum vereinbarten Zeitpunkt ca. 15 Frauen jeden Alters von der Erntearbeit auf den Feldern zusammen und diskutierten intensiv mit unserem Projektpartner Tsewang Norboo über die Möglichkeiten der Einrichtung und Unterstützung für ein zweijähriges (Winter-)Training. Eine großzügige Spende früherer Paten kurz vor unserer Abreise hierher für genau diese Art Hilfsprojekte ermöglichte uns, zur Freude aller Frauen Unterstützung zuzusagen. Die Frauen wurden aufgefordert, möglichst vor unserer Abfahrt noch genau Auskunft zu geben über die Teilnehmerinnen und die lokalen Möglichkeiten, unter denen sie sich die Durchführung vorstellen. Unser Projektpartner Mr. Norboo wird sich um das Finden eines geeigneten Lehrers bemühen.

LOTSAVA-Lamdon-Model-School

Am frühen Abend trafen wir wieder in unserem Quartier in der Hauptstadt Leh ein, um die Abreise in das in entgegengesetzter Richtung liegende Bergdorf Tingmosgam vorzubereiten. Ca. 90 km von Leh entfernt unterstützt der Verein hier seit über 10 Jahren den Aufbau der LOTSAVA-Lamdon-Model-School und unterhält zahlreiche Patenschaften für Kinder mittelloser oder bedürftiger Familien in der Region. Gegen Mittag des nächsten Tages wurden wir dort von Schülern, Lehrern und dem Organisationskomitee der Schule herzlich begrüßt. Erstmals waren wir in den mit dem neuen, kleinen Kinderheim errichteten Gästezimmern (für Volontäre, Zahnärzteteams, etc.) auf dem Schulgelände untergebracht. Ein Rundgang durch das ‚LOTSAVAKINDER- HOME’, in dem bereits 14 Kinder aus der abgelegenen Bergregion Skurbuchan für den Schulbesuch untergebracht sind, stand als erstes auf unserem Programm. Mit Freude nahmen wir wahr, dass unsere Anregung, die Doppelstockbetten für die 4 - 6-jährigen Kinder nicht aus Profileisen zu schweißen, sondern Holzbetten zu bauen, umgesetzt wurde. Das gibt den Schlafräumen der Kinder einen ungleich wohnlicheren Charakter.

Die offizielle Einweihung des neuen Kinderwohnheimes, zu dessen Bau zahlreiche unserer Unterstützer großzügig beitrugen, fand am folgenden Tag, zusammen mit dem jährlichen 'Parents-Day' in der Schule statt. Hier erfahren die des Schreibens und Lesens überwiegend unkundigen Eltern in Vorträgen und Vorführungen und beim gemeinsamen Essen und Austausch Wichtiges zum Schulalltag ihrer Kinder.

Gewürdigt wurden im Zusammenhang mit der Einweihung des Schulheimes auch die langjährige, vertrauensvolle Kooperation zwischen Verein und Schule sowie das unermüdliche Engagement und die menschliche Zuneigung, die der Gründer und ehemalige Vorsitzende Dr. Leonhard Braun zu Gunsten des Schulprojektes einbrachte. Über mehr als 10 Jahre sei der Verein mit all seinen Unterstützern Ermutigung und Beistand gewesen für alle Organisatoren und Eltern vor Ort, Unvorstellbares zum Wohle ihrer Kinder zu wagen und zu leisten. Mit Errichtung des Schulheimes verfügt die 11-klassige Bergdorfschule (3 Vorschul-/8 Hauptschulklassen) in dieser Region nun über alle zur besten Funktion wichtigen baulichen Elemente. Den Fokus ihrer Tätigkeit möchte das Schul-Organisationskomitee nun verstärkt auf die Qualität des Lehrens und Lernens richten, führte unser langjähriger Kooperationspartner, der Verwaltungsleiter Mr. Tsering Morup aus und lud alle bisherigen Unterstützer ein, dazu mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung beizutragen und sich mit dem Besuch der Schule ein Bild davon zu machen.

Der vielfältige Dank von Eltern und Schul-Organisatoren, verbunden mit tief empfundenen, besten Wünschen für alle, die dazu beitrugen, sieht klein aus in nur einem Satz eines Erlebnisberichtes – doch eine ganze, abgelegene Region ist spürbar 'aufgeladen' damit. Die Wirk-lichkeit dessen über Grenzen hinaus ist eine schöne Vorstellung.

Die folgenden Tage waren in Anspruch genommen mit Patenschaftsklärungen, Treffen mit unterstützten Schul- Absolvent(Inn)en zu Fragen der Weiterbildung, Besprechungen mit Lehrern und Organisatoren zu allgemeinen und speziellen Problemen wie Unterrichtsstruktur, Lehrer-Gehälter, Lehrer-Fluktuation, etc.

Wie im Vorfeld anwesenden Unterstützern des Schulaufbaues und des Schulbetriebes angeboten, fand mit dem Organisationsteam der Schule eine vorbereitete Fahrt zum PANGONG-Lake und verschiedenen Sehenswürdigkeiten auf dem Weg statt. Der Pangong-See ist eine der attraktivsten landschaftlichen Sehenswürdigkeiten in Ladakh. Bei Überquerung des ca. 5.300 m hohen Chang-la-Passes dorthin begrüßten und die ersten Schneeflocken des kommenden Winters. Der an der tibetisch/chinesischen Grenze gelegene, mit 138 km Länge größte Salzwassersee, ist ein einzigartiges Farbjuwel im fast vegetationslosen Niemandsland in über 4000 m Höhe. Beschwerliche 6 Fahrtstunden für die ca. 120 km lang Strecke dorthin trübten nicht die Faszination des Ortes, machten die Fahrt allerdings auch nicht zu einem besonders entspannenden Ausflug.

Vor Abreise hatten wir noch die Freude, den Klassen 1 – 4 der LOTSAVA-Schule von den Schülerinnen und Schülern der Riedschule in Karlsruhe gefertigte Freundschafts- Bändchen zu verteilen. Im Namen der Kinder ganz herzlichen Dank sowohl hierfür, als auch für die langjährigen Aktivitäten der Kinder und des Elternbeirats der Riedschule für Sammlung und Versandunterstützung von Winterkleidung für bedürftige Kinder an der LOTSAVA-Schule. Während unseres Aufenthaltes in Tingmosgam folgten wir auch einer Einladung zum Treffen mit ehemaligen und vielleicht künftigen Kooperationspartnern der jungen Generation nach Bodhkharbu/Kargil, einer klimatisch rauhen und rückständigen Region, zwei Fahrtstunden weiter westlich von Tingmosgam.

LAMDON-JAMYANG-School

Auf dem Weg dorthin machten wir zunächst einen Halt an der LAMDON-JAMYANG-School im nahe Tingmosgam gelegenen Khaltse. Für 140 Schüler bis zur 4. Klasse aus der Region Skurbuchan, wo viele Eltern in der überaus ärmlichen Berggegend in der Sommerzeit als Halbnomaden mit kleinen Herden leben, ist hier mit ähnlicher Struktur wie die zuvor beschriebene LOTSAVA-School eine in Elterninitiative gegründete Bergdorfschule in Aufbau. Eine Vielzahl an Kindern mittelloser oder bedürftiger Familien, sowie fehlende Mittel für den begonnenen Bau von weiteren Klassenräumen gefährdeten nach Bericht des (ehrenamtlichen, pensionierten) Schulleiters aktuell die Weiterführung des Schulbetriebes. Die Aufnahme von Kindern in das Patenschaftsprogramm des Vereins, sowie Prüfung zur Unterstützung zum seit 1 ½ Jahren unterbrochenen Weiterbau von zusätzlichen Klassenräumen wurde dem Organisationskomitee der Schule in Aussicht gestellt. Die umgehende Aufstellung eines Kostenvoranschlages durch die Organisatoren wird zugesagt. Bedachung und 'trockener' Innenausbau (Elektrik, Fußböden) könnte auch im Winter erfolgen, so dass die dringend benötigten, weiteren Klassenräume nach den langen, klimabedingten Winterferien ab März 2016 nutzbar wären.

Treffen mit Patenkindern

In Bodhkharbu / Kargil, dem Ziel unserer Fahrt, trafen wir die Familie mehrerer Paten'kinder', unter denen eine junge Frau gerade im 3. Jahr ein Ingenieurstudium in Biochemie absolviert. Als älteste Tochter und einzige der 9-köpfigen Famillie mit Schulbildung, trägt Angmo neben ihrer eigenen Ausbildung auch Verantwortung für die Organisation der Ausbildung ihrer 6 Schwestern. Als erste gebildete junge Frau in Ort und Region engagiert sie sich darüber hinaus in einer mit anderen Jugendlichen durch sie gegründeten Initiative, um basierend auf eigenen Erfahrungen Hilfestellung zu leisten zu Aus- und Weiterbildung Jugendlicher der abgelegenen Region.

Diese unabhängige, persönliche Initiative soll nach Sammlung von ersten Erfahrungen inhaltlicher und administrativer Art in eine Organisation münden, die sich die Förderung von (Weiter-)Bildung in der Region und bessere Vernetzung von Jugendlichen in den abgelegenen Dörfern zur Aufgabe macht. Hierzu wurden erste Besuche in abgelegenen Dörfern der Region zur Information an Schulen und Austausch mit Lehrern durchgeführt. Erfahrungsaustausch zwischen Verein und der entstehenden Studenten-/Schülerorganisation ist geplant. Die Initiatorin des Projektes, selbst seit einigen Jahren durch einen hiesigen Paten und die Organisation SOROPTIMIST zu Weiterbildung und Studium unterstützt, wurde zum Austausch mit Paten und Unterstützern des Vereins nach Deutschland eingeladen. Der Besuch könnte im Sommer 2016 während der indischen Semesterferien möglich sein. Vom Verein und ihrer Patin eingeladen zum Erfahrungsaustausch wurde ebenfalls Padma Chorol, die nach 12-jähriger Schulbildung in Ladakh gerade ihr Studium im Fachbereich „Science“ (Biologie, Physik, Chemie) begann. Beide junge Frauen kommen aus ärmsten Verhältnissen und hätten ohne die durch ihre Paten und den Verein ermöglichte, langjährige Unterstützung kaum eine Chance auf Bildung über ein Minimum an Kenntnissen im Schreiben, Lesen und Rechnen hinaus gehabt. Wir freuen uns, Paten und Unterstützern auf diese Weise (wieder) einmal den direkten und persönlichen Kontakt und Austausch mit geförderten ‚Kindern’ ermöglichen zu können.

Unterstützungsprojekte in den Dörfern GYA und MIRU

Von der Hauptstadt Leh aus fuhren wir am Tag nach Rückkehr mit unserem Projektpartner Mr. Norboo in die Nomadenregion Changthang zum Besuch verschiedener Unterstützungsprojekte in den Dörfern GYA und MIRU.

Im Reisebericht 2014 schilderten wir, wie 4 Jahre zuvor in dieser Region Sturzfluten Häuser, Felder und auch die dörflichen Getreide-Wassermühlen für das gemeinschaftliche Verarbeiten nach der Ernte verwüstet und zerstört hatten. Hilfe beim Bau einer neuen Doppelmühle (wie bereits im benachbarten Dorf GYA) hatten wir im vergangenen Jahr auch den Dorfbewohnern von MIRU zugesagt. Auch in diesem Sommer richteten ungewohnt heftige Regenfälle in der Region viel Schaden an, zerstörten eine neu errichtete, vermeintlich starke Brücke und rissen einen Teil des Baumaterials für die neuen Wassermühle(n) mit sich.

Die Dorfbewohner ließen sich nicht entmutigen und mit viel Engagement hielten sie trotzdem an ihrem Plan, die neuen Mühlen am Ende der Erntesaison funktionstüchtig nutzen zu können, fest. Bei unserem Besuch auf der Baustelle war viel Zuversicht, dass dies auch noch gelingen könnte. In einer Versammlung mit Dorfbewohnern und dem Dorfvorsteher wurde die Verantwortlichkeit für Betrieb und Instandhaltung diskutiert und geklärt.

Im benachbarten Dorf GYA trafen wir im Anschluss mit den (Nomaden-)Familien zusammen, denen wir Hilfe zur Errichtung von Winterställen für Jungtiere bei den hochgelegenen Weidegründen zugesagt hatten. Zunehmende Niederschläge erschweren im Winter die Futtersuche auf den Hochebenen und ließen die dadurch geschwächten (Jung-)Tiere bei Nacht-Temperaturen um - 30/-40 Grad in großer Zahl erfrieren. Mit viel Unmut berichteten die Familien uns, dass neben ihren Kälte und Futtersorgen für die Tiere, ein Schutzprogramm für die fast ausgestorbenen Schnee-Leoparden, letztere sich wieder vermehren lässt und im Frühjahr in nur einer Nacht über 60 Lämmer getötet wurden. Auch diesbezüglich, so das Fazit der gemeinsamen Diskussion, werden die geplanten Winterställe beitragen nicht nur zu ihrer Existenzsicherung, sondern auch dem Schutz der Herden und Schnee-Leoparden (!) dienen. Unmut und Ratlosigkeit wurden ausgedrückt über die Tatsache, dass Sturzregen die Zugangswege zu den hochgelegenen Weidegebieten an 4 Stellen zerstört hatte und die Regierungsstellen diese (für den dringenden Transport der Baumaterialien für die Winterställe) trotz mehrfacher Intervention bisher nicht befahrbar wieder hergestellt hatten. Drängend hinzu kam die Information unseres Projektpartners, dass gemäß den indischen Bestimmungen Steuern abzuführen sind für erhaltene Unterstützungsbeträge, die nicht in vorgegebener Zeit für die Umsetzung ausgegeben werden.

Lange Diskussion mündete darin, dass nur 'Selbsthilfe' den Baustart noch für den kommenden Winter ermöglichen kann. Zeitaufwand, Verfügbarkeit und Kosten für die Anmietung eines schweren Räum- /Planierfahrzeugs wurden umgehend telefonisch von Mr. Norboo, unserem Projektpartner geklärt und mit unserer Zusage, die Kosten hierfür zu übernehmen, wurden die Instandsetzungsarbeiten der Zugangswege für die folgende Woche festgelegt. Man war zuversichtlich und engagiert, einen großen Teil der in Trockenbauweise zu errichtenden Ställe noch für die Wintersaison erstellen zu können. Zusammen mit den Mehrkosten für eine Familie, die bei Erstellung der Liste der Winterstall-bedürftigen Familien im vergangenen Jahr vergessen wurde, ist für dieses Projekt dadurch eine zusätzliche Unterstützung in Höhe von ca. 1.100,-- Euro erforderlich. Zur Kostenreduzierung der zugesagten Unterstützung zur Errichtung einer Toilette beim Versammlungsraum des Dorfes wolle man dies hingegen nicht als Außenanbau, sondern mit Raumabteilung umsetzen. Bei Abfahrt reihten sich vor dem Dorf bereits die Kanister für den Tanklastzug mit Kerosin für den langen und harschen Winter, der schon in Kürze eine Lastwagenfahrt dorthin kaum noch ermöglichen wird. Trotz verschiedener Hindernisse in der Abwicklung, von denen wir erfahren mussten, verließen wir die Region mit äußerst gutem Gefühl in Anbetracht des Engagements der Menschen dort für die letztlich erfolgreiche Umsetzung der Projekte zu Gunsten ihrer eigenen, dringlichen Anliegen.

Die letzten 2 Tage

Die letzten 2 Tage unseres Aufenthaltes füllten sich schnell mit

  • Treffen zur Durchsprache von Details und Kostenkalkulation Neubau KUNFAN-School für eventuellen Unterstützungsantrag bei der Bundesregierung im Rahmen der Entwicklungs-Zusammenarbeit.
  • Besprechung von Organisation und Begrenzung der Höhe des Patenschaftsbetrages für ‚Senior-Students’ (ab Kl. 10/Studium) in Anbetracht wachsenden Weiterbildungsangebotes innerhalb Ladakhs
  • Diskussion über Einsatzbereiche, Ausbildung und eventuelle Honorierung des Einsatzes einer zahnärztlichen Assistentin zur Unterstützung der zahnärztlichen Einsätze in der Sommersaison, sowie für Aufklärung, Prophylaxe und einfache Betreuung während der einsatzfreien Zeit von ca. Oktober bis April
  • Begrüßung und Diskussion mit neu ankommendem Zahnärzte-Team, dessen vorgesehene Einsatzorte wegen Zerstörungen durch Sturzregen nicht erreichbar waren.
  • Treffen zu abschließenden Besprechungen geänderter Patenschafts-Situationen.

Nach 'randvoll' ausgelastetem Aufenthalts-Zeitplan verabschiedeten wir uns mit bestem Gefühl und viel Zufriedenheit in Anbetracht der gut laufenden Projekte-Entwicklung und ebenso effektiven wie vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den ladakhischen Partnern.